Die Videoarbeit „Tension“ untersucht die Materialität von Plastiktüten und beschäftigt sich mit den Grenzen eines Werkstoffs, der im Zuge der Industrialisierung durch seine vielseitigen Eigenschaften zu einem Katalysator des Fortschritts und der Entfremdung zur Natur wurde.
Die thermoplastischen Attribute von Kunststoffen verschaffen Menschen, die über die notwendigen Produktionsmittel verfügen, eine nahezu grenzenlose gestalterische Freiheit bei einer effizienten Vervielfältigungsrate und geringen Materialkosten. Doch spätestens seitdem bekannt ist, dass die Klimakrise und die Verschmutzung des Planeten weitreichende Folgen haben wird, wurde Plastik immer mehr zum Problem.
In Kunststoffen lässt sich ein Spannungsfeld beobachten, das zwischen der endlichen Belastbarkeit der Erde und dem radikalem Extraktivismus, der für den rücksichtslosen Fortschrittsgedanken der Menschen betrieben wird, besteht.
Das 4:3 Video-Format der Videoarbeit erzeugt ein beklemmendes Gefühl und knüpft gleichzeitig einen historischen Bezug zum Anfang der Filmgeschichte und der damit einhergehenden Industrialisierung. Durch das verzerrte Rascheln, unter-Spannung-stehen und Reißen der Plastiktüten auf der auditiven Ebene, wird der Fokus auf die Zerstörung, die sowohl im als auch durch das Material geschieht, gelenkt.