Warteschleifen

Die temporäre Lichtinstallation „Warteschleifen“ war Teil der 8. Nacht der Lichtkunst, einem Lichtkunstfestival der Organisation „Hellweg – ein Lichtweg“. Schauplatz war die ehemalige Gaststätte „Am Kleinbahnhof“ in der Stadt Soest. Die Installation wurde zweieinhalb Wochen lang ausgestellt und ist in Zusammenarbeit mit Gabriel Hahner entstanden.

Zeitungsartikel

Wie wird ein „Lost Place“ definiert? Muss ein Ort besonders alt sein, eine historische Bedeutung haben? Oder wird ein Ort einfach dann zu einem „Lost Place“, wenn er nicht mehr genutzt wird?

Die ehemalige Milchbar „Gaststätte am Kleinbahnhof“, auch „die Niere“ genannt, vereint diese Fragen unter einem stilvollen Dach, dessen Form an das menschliche Organ erinnert. Hier fanden Passanten Schutz vor prasselndem Regen oder setzten sich auf die von der Sonne erwärmten Stufen, während sie auf den Bus nach Hause warteten. Obwohl das historische Gebäude in Soest Kultstatus genießt, findet sich seit Jahren kein neuer Verwendungszweck. „Die Niere“ wird zu einem „Lost Place“. Von der gläsernen Fassade des „City Centers“ umschlossen, wirkt der denkmalgeschützte Bau wie ein Diorama in einer Schneekugel. Unzugänglich und für die Ewigkeit konserviert, wartet er darauf, dass wieder Leben einzieht. Warten ist häufig negativ konnotiert, mit Langeweile und Untätigkeit verbunden. Doch man kann das Warten auch als einen Moment verstehen, der sich der Verwertungslogik und konkreten Erwartungen entzieht. In der schnelllebigen Umgebung des Bahnhofs lädt die ehemalige Gaststätte dazu ein, über Pausen nachzudenken.

„Die Niere“: Symbol des Wirtschaftswunders und Organ des andauernden Wartens. Im Oktober 2025 wird das Warten durch eine künstlerische Intervention vor Ort sichtbar gemacht. Rhythmen aus Licht und Klängen, die Antizipation der nächsten Veränderung. Nostalgie an einem Ort, der auf neues Leben wartet.